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Die "Autos des Monats"

Mehr zu Rolls-Royce:

 Rossfeldt: Rolls-Royce and Bentley / From the Dawn of the 20th Century into the new Millennium  

 

 

 

 

Auto des Monats - April 2022
Rolls-Royce Phantom II, 1932, #71JS
Roadster von Kitchener & Woodiwiss


Rolls-Royce Phantom II

Bei diesem Rolls-Royce ist ursprünglich bei Auslieferung eine Limousine von H.J. Mulliner als Karosserie montiert gewesen. In relativ großer Zahl wurden originale Aufbauten in späteren Jahren erneuert oder ausgetauscht. Dafür gab es eine Vielzahl von guten Gründen, weil etwa nach einer Beschädigung statt Reparatur ein Neuaufbau bevorzugt wurde oder weil so eine Anpassung auf die Vorstellungen eines späteren Besitzers umgesetzt worden sind etc. Es ist keine gewagte Spekulation, dass viele Automobile deshalb überdauert haben, weil sie mit neuer Karosserie in ein zweites Leben gestartet waren.

Rolls-Royce Phantom II

Besondere Beachtung verdient, dass bei diesem Automobil eine am Rahmen angenietete Platte überlebt hat. Solch ein Schild mag durchaus manchem Fahrzeugeigner ominös erscheinen; womöglich könnte es selbst der eine oder andere Kenner nicht korrekt zuordnen. Dabei handelt es sich um eine produktions-bedingte Besonderheit, die nur über einen relativ kurzen Zeitraum gegeben gewesen ist. Denn mit Einführung des neuen Modells Rolls-Royce Phantom II hatte sich der Hersteller entschlossen, die Serie mit ‚Subframes’ auszustatten. Das war eine Abweichung vom bisherigen Standard, ein 'running chassis', also den Leiterraumen bestückt mit allen Technik-Komponenten an einen Karosseriebauer zu senden, damit der das Auto mit einem Aufbau nach Wunsch des Kunden komplettierte. Zwangsläufig bedeutete das Wartefristen, denn erst musste das runing chassis fertiggestellt werden, anschließend war die Zeit für Herstellung der Karosserie zusätzlich zu investieren. Die Option eines Subframes sorgte für Beschleunigung. Denn schon während bei Rolls-Royce im Werk die Arbeiten am running chassis abliefen  konnte zeitgleich (!) auf einem 'Hilfsrahmen' (englisch: Subframe) bei einem Karosseriebauer bereits die Karosserie gefertigt werden. Dann brauchte man nur noch die beiden Einheiten zu kombinieren und der fertige Wagen war etliche Wochen früher verfügbar! Kunde zufrieden, Problem gelöst. Mit dem Over-Engineering, wie es für das Haus Rolls-Royce lange typisch gewesen ist, hatte man zwei unterschiedliche Ausführungen des Subframes entwickelt, um derlei Hilfsrahmen passgenau auf die unterschiedlichen Ansprüche bzgl. Karosserie-Varianten abzugleichen.

Rolly-Royce Phantom II

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Die Ingenieure hatte noch einen weiteren Vorteil angestrebt, weil der Hilfsrahmen den Aufbau vom eigentlichen Chassis isolierte und damit Stöße z.B. bei unebener Fahrbahn deutlich geringer auf die Karosserie einwirkten. Das Schild mit der Nummer 'L.1794' beim Phantom II mit Chassis-Nr. #71JS  belegt, dass der Aufbau auf solch einem 'Subframe' ruht. Der dürfte mit größter Wahrscheinlichkeit bereits 'ganz zu Anfang' an H.J. Mulliner für deren Limousinen-Aufbau geliefert worden sein. Er wurde sicherlich beibehalten für den späteren Roadster von Kitchener & Woodiwiss. Denn ein Windfall Profit eines solchen Hilfsrahmens war, dass er zusätzlich eine beachtliche Versteifung des keineswegs vorbildlich verwindungssteifen Leiterrahmens bewirkte.

Rolly-Royce Phantom II

Die schönen Vorteile konnten aber ein Manko nicht ausmerzen, dass nämlich ein Hilfsrahmen/Subframe heftig schwer ausfiel. Das zusätzliche Gewicht minderte die 'Performance' (und kostete extra). Prompt wurde die Axt angelegt und das Angebot für Hilfsrahmen/Subframes wurde gestrichen.

Rolly-Royce Phantom II

Es bedarf eingehender Recherche, um die Angabe zu finden, dass lediglich über die Jahre von 1929 bis 1931 die folgenden Chassis-Serien von Rolls-Royce Phantom II serienmäßig mit Hilfsrahmen/Subframes verfügbar waren:

J2      001 – 200  (#1WJ – #133WJ und 1XJ – #71XJ)
K2    201 - 400 (#72XJ - #204XJ und  #1GN - #68GN)
L2    401 – 600 (#69GN – #202GN und #1GY – #68GY)
M2    601 – 800 (#69GY – #205GY und #1GX – #68GX)

Die Literatur besagt, für alle ab Chassis-Serie N2, d.h. für von 1931 bis zum Ende der Modellserie 1935 (in 1936 wurde nur 1 Exemplar, nämlich #84UK, auf Kundenwunsch gefertigt) produzierten Rolls-Royce Phantom II sei dann der Hilfsrahmen aufgegeben worden. Diese Angabe ist indessen NICHT zutreffend. Denn #71JS zählt zur Chassis-Serie N2 – und kann als Beleg angeführt werden, dass auf jeden Fall auch noch für spätere Chassis einem Kunden die Option blieb, einen Phantom mit Hilfsrahmen zu ordern. Alles in allem, gerade weil es die nur in geringer Zahl gegeben hat, sind diese Einheiten rare Artefakte aus der Geschichte von Rolls-Royce.

Rolly-Royce Phantom II


 

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