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Mehr zu Rolls-Royce:

 Rossfeldt: Rolls-Royce and Bentley / From the Dawn of the 20th Century into the new Millennium  

 

 

 

 

Auto des Monats - May 2022
Rolls-Royce Wraith, 1939, #WEC26
Saloon von H.J. Mulliner


Rolls-Royce Wraith

BDie Karosserie dieses Wagens wirkt nicht zuletzt deshalb besonders attraktiv, weil sie ein Exponent dessen ist, was gemeinhin als "Razor Edge Design" bezeichnet wird. Dies bezeichnet die Betonung von Karroseriekanten, so dass sie zu dominanten Linien werden. Ein maßgeblicher Aspekt, dass dies weit mehr als lediglich ein modisches Merkmal war, blieb in der  Literatur weitgehend unbeachtet.

Der Hintergrund: Ab der zweiten Hälfte der 1920er Jahre bis in die 1930er Jahre (und danach) wurden mit großem Erfolg "Pressed Steel Bodies" hergestellt. Mit Maschineneinsatz produziert, waren die wesentlich preiswerter als in Handarbeit gedengelte Karosserien. Bei hohen Stückzahlen hätten traditionelle Arbeitsabläufe bei Karosseriebauern - weil zeitaufwendig - zudem erhebliche Engpässe verursacht. In verschiedenen europäischen Ländern wurden Fabriken errichtet, z. B. von Ambi Budd, die eine beträchtliche Anzahl von Automobilherstellern mit Karosserien versorgten. Solche ‚Billig-Karosserien’, schnell produziert in relativ hohen Stückzahlen wiesen durchaus einen akzeptablen Qualitätsstandard auf. Sie hielten Einzug auch in das Luxussegment.

Rolls-Royce Wraith

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Diese Entwicklung "strangulierte" natürlich das Geschäft der etablierten Karosseriebauer. Jedes Auto mit maschinell gepresster Stahlblechkarosserie war ein Fahrzeug weniger mit einer maßgeschneiderten Karosserie. Es gab indessen ein Merkmal, das zu dieser Zeit - aufgrund des damaligen Stands der Technik - mit den verfügbaren Pressen nicht erreicht werden konnte. Es konnten keine "scharfen Kanten" geformt werden, weil dann die in die Maschine eingeführten ebenen Karosseriebleche an solchen Stellen brachen, rissen oder sich verzogen. Die Beeinträchtigung war so enorm, dass es mehr Aufwand erforderte, das Missgeschick "auszubügeln", als eine solche Form direkt von Hand aus einem Blech zu "schlagen". Kein Geringerer als John Polwhele Blatchley (der seine Karriere bei Gurney Nutting begann und später zum Chefstylisten von Rolls-Royce aufstieg) erklärte einmal, der technische Standard der 1930er Jahre hätte "gepresste Karosserien wie eine Kombination von Blasen“ aussehen lassen.

Dies ist bei vielen amerikanischen Produkten offensichtlich, selbst im Luxussegment. Zwei Beispiele werden hier gezeigt: ein Cadillac 75 Fleetwood von 1937 und ein Packard 12 Club Sedan von 1935. Das von den Beschränkungen gepresster Karosserien diktierte "Bubble Design" hielt sogar Einzug in den "traditionellen Karosseriebau".

Cadillac & Packard

Eine gegenteilige Entwicklung wurde jedoch mit der Einführung des "Razor Edge Design" durch Freestone & Webb ausgelöst. Das war eine subtile Form, um die Karosserielinien die Botschaft verkünden zu lassen: "Dies ist keine Massenproduktion aus gepresstem Stahl - dies ist eine maßgeschneiderte Karosserie mit von erfahrenen Handwerkern geformten Paneelen!" Das Merkmal der ‚Razor Edges / scharfen Kanten’ signalisierte augenfälllig, dass da eine Kreation stand, wie sie zu jener Zeit ausschließlich von Hand gefertigt werden konnte.

Es hatte Aufsehen erregt, als sich Upper Crust Attitude und handwerkliches Geschick auf höchst ansprechende Weise verbanden bei Freestone & Webb’s beeindruckendem Sportsman's Coupé auf dem 1933er Phantom II Chassis #42PY. Es breitete sich auf weitere Kreationen von Freestone & Webb aus und wurde auch von anderen Karosseriebauern eifrig kopiert. Als H.J. Mulliner 1939 die Karosserie für den Rolls-Royce Wraith #WEC26 schuf, zeigte der in jedem Detail, dass die Handwerker des Unternehmens die Kunst von "Razor Edge Design" meisterhaft umsetzen konnten.

Rolls-Royce Phantom II

Diese Mode überlebte tatsächlich bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach 1945 erlaubte es die fortgeschrittene Technologie dem Unternehmen, das Rolls-Royce in Crewe mit Standardkarosserien belieferte, d.h. Pressed Steel (sic!), die Karosseriekörper für den Mark VI, den R-Type und den Silver Dawn mit "Razor Edge"-Heckteilen zu versehen. Selbst bei den Nachfolgern in Form der Silver Cloud-Modellreihe lässt sich noch ein schwaches Echo konstatieren mit einer Sicke an der hinteren Dachkante. Die Technik war inzwischen so weit fortgeschritten, dass bei gepressten Karosserien solche messerscharfen Kanten erzielt werden konnten, die in den Vorkriegsjahren ein exklusives Merkmal handgefertigter Karosserien gewesen waren.

Rolls-Royce Wraith


 

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