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Auto des Monats - August 2018
Rolls-Royce Silver Ghost, 1913, #2224
Torpedo von Holmes


Rolls-Royce Silver Ghost
1913 Rolls-Royce Silver Ghost, #2212 und #2224, beide Torpedos von Holmes (identische Aufbauten), beim Start der ‘k.u.k. Oesterreichische Alpenfahrt 1913‘; #2212 gefahren von Sinclair und Mechaniker Parsons, #2224 gefahren von Hives und Mechaniker Hancock.

In untenstehendem Bericht keine Farbbilder, keine gute Qualität der Fotos – und keine Entschuldigung. Aber die Notiz, dass die Informationen in dieser Form noch nie veröffentlicht worden sind:

Baron Friedrich Mayr von Melnhof (geboren 1893, verstorben 1959) erwarb zwei Rolls-Royce R-R Silver Ghost aus dem Baujahr 1913. Sie wurden von dem sehr wohlhabenden österreichischen Aristokraten (der ein immenses Vermögen geerbt hatte) bis in die 1920er Jahre intensiv genutzt. Von besonderem Interesse ist, dass er zwei, nämlich die Chassis-Nummern #2224 und #2260, von drei Fahrzeugen kaufte, die der Hersteller als "Team Cars" bei der "k.u.k. Oesterreichischen Alpenfahrt 1913" an den Start gebracht hatte. Die Automobile bewährten sich fabelhaft und heimsten eine Reihe von wertvollen Preisen ein. Folglich war es eine wohl abgewogene Entscheidung, als der gerade volljährig gewordene Adelssproß die beiden Silver Ghost von der Werksniederlassung von Rolls-Royce in der Tegethoffstr. in Wien übernahm, die mit ihren Qualitäten bei Oesterreichischen Alpenfahrt 1913 überzeugt hatten.

Rolls-Royce Silver Ghost
1913 Rolls-Royce Silver Ghost, #2224, Torpedo von Holmes, mit Hives am Steuer und Mechaniker Hancock auf dem Beifahrersitz vor der Niederlassung von Rolls-Royce in der Conduit Street, London, vor der Abfahrt nach Wien.

Den I. Weltkrieg und den Wechsel von der Monarchie zur Republik überstand die Familie ohne nennenswerte Einbußen hinsichtlich Vermögen und Rang. Neben anderen Publikationen zeigten zwei Ausgaben der Allgemeinen Automobil Zeitung (die erschien mit separaten Ausgaben in Österreich und in Deutschland) vom 1. August 1923 und vom 1. Oktober 1923 die beiden Silver Ghost des österreichischen Edelmanns, den Torpedo von Holmes auf Fahrgestell #2224 sowie den Torpedo von Mulliners auf Fahrgestell #2260. Letzterer wurde in der Literatur irrtümlich ebenfalls als bei Homes karossiert ausgewiesen, hatte indessen tatsächlich den Aufbau bei Mulliners of Birmingham erhalten. Fotos in den Presseberichten aus 1923 zeigen die Automobile ohne seitlich angebrachte Reserveräder und offenbar mit modifizierten oder als Neuanfertigungen ausgetauschten Kotflügeln etc. Die in der Mittel des Trittbretts erkennbare Vertiefung besagt eindeutig, dass üblicherweise seitlich montiert ein Reserverad mitgeführt wurde; möglicherweise war aus Gewichtsgründen bei sportlichen Einsätzen darauf verzichtet worden.

Rolls-Royce Silver Ghost
1913 Rolls-Royce Silver Ghost, #2224, Torpedo von Holmes. Offenbar unverändert mit dem Aufbau von Holmes aus 1913. Allerdings waren modifizierte (oder neue?) Kotflügel montiert und eine Box auf dem Trittbrett ergänzt worden. Darüber eine Hupe von Bosch und Scheinwerfer mit elektrischen Glühbirnen statt Azytylen-Lampen. Eben noch erkennbar ist der vernickelte Lufteinlass am Abschluß der Lüftungsklappen als Beleg, dass dies #2224 ist (denn #2260, der weitere von Baron Friedrich Mayr von Melnhof gekaufte Silver Ghost mit Aufbau von Mulliners of Birmingham nach gleichem Design zeigte zwar auch einen Lufteinlass, aber geringfügig tiefer angeordnet und nicht vernickelt, sondern lackiert). Die Zulassung D 77 war eine aus dem Landkreis Salzburg.

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Ganz offenbar war der eigentliche Karosseriekörper unverändert der aus dem Jahr 1913. Nur beim Zubehör zeigten sich signifikante Modifikationen mit relativ hoch angeordneten elektrischen Scheinwerfern (anstatt der originalen Azetylen-Beleuchtung) und einer Box (für die Batterie?), die am vorderen Ende des rechtsseitigen Trittbretts bis an den Vorderkotflügel ragte. Rolls-Royce hatte zwar Aufbauten von verschiedenen Karosseriebauern, aber nach identischem Design als leichtgewichtige Torpedos geordert. Es verlangt ein geübtes Auge, nach dem äußeren Erscheinungsbild die Wagen auseinander zu halten. Am ehesten ist das möglich, weil #2224 auf der rechten Seite zu Beginn der 1920er mit einer Starkton-Hupe von Bosch ausgestattet worden war, die bei #2260 fehlt.

Die Werksunterlagen besagen mit Bezug auf #2224, dass schon relativ früh Modifikationen erfolgt sind. Im Jahr 1914 hatte Rolls-Royce den Werksmechaniker Hancock nach Österreich geschickt zur Unterstützung von James Radley, der als Privatfahrer seinen 1914er Silver Ghost, #18PB, für die „k.u.k. Oesterreichische Alpenfahrt 1914“ gemeldet hatte. Bei seinem Aufenthalt in Wien arbeitete Hancock auch an den Automobilen von Baron Mayr von Melnhof. Er machte sogar eigens einen Termin am 28. Juli 1914 aus, um eine komplette Querstrebe am vorderen Rahmen auszutauschen gegen eine verstärkte Variante mit Schrägverstrebungen. Hancock war so clever, schnellstmöglich die Heimreise anzutreten, denn am 28. Juli 1914 erfolgte die Kriegserklärung Österreichs an Serbien. Er kehrte nach England zurück und hatte somit mehr Glück als ein weiterer Mechaniker, der vom Werk für die Niederlassung in Wien abgestellt war – und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch an den Automobilen von Baron Mayr von Melnhof gearbeitet hat. Das war Daniel John Mackintosh (1889-1950), der in Österreich interniert wurde, nachdem am 4. August Deutschland in Belgien eingefallen war und damit den Kriegseintritt Großbritanniens auslöste. Erst mit langer Verzögerung und nach aufwendigen Bemühungen wurde Mackintosh aus der Haft entlassen.

Um die Darstellung zu komplettieren sei noch erwähnt, dass der ältere Bruder Baron Franz Mayr von Melnhof ebenfalls einen Rolls-Royce Silver Ghost, Baujahr 1913, Chassis-Nummer #1844 (gebraucht gekauft) besessen hat. Bei dem ließ er 1914 den originalen Tourer-Aufbau von Lawton durch einen von Reichelt, Wien, ersetzen. Er blieb Autos aus dieser Bauperiode treu, denn im Jahr 1924 erwarb er als ergänzung einen Rolls-Royce Silver Ghost von Doro Stein, Wien; den zu diesem Zeitpunkt bereits 11 Jahre alten Wagen mit der Chassis-Nummer #2610. Auch der wies ein Auslieferungsdatum aus dem Jahr 1913 auf.

Rolls-Royce Silver Ghost


 

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