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Die "Autos des Monats"

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Auto des Monats - März 2020
Rolls-Royce 20 H.P., 1906, #40523,
Special Light Side Entrance Tonneau von Barker


In das Jahr 2020 fällt, das 100-jährige Jubiläum von 'Rolls-Royce of America' zu zelebrieren, weil "geschäftlichen Aktivitäten" von Rolls-Royce of America, Inc., am 1. Februar 1920 aufgenommen wurden. Das war der Tag, als im Werk in der Hendee Street in Springfield, Masschusetts, USA, fünf Mitarbeiter die Arbeit aufnahmen und "...Blaupausen aus England checkten, um erste Bestellungen für die Produktions-Aufnahme zu erteilen…" Diese vor 100 gestarteten Aktivitäten mündeten in die US-Fertigung von Rolls-Royce Silver Ghost; mithin markiert 2020 das 'Centenary of Rolls-Royce of America'.

Rolls-Royce 20 H.P.
Rolls-Royce 20 H.P., Baujahr 1906, # 40523. C.S. Rolls hinter dem Steuer und Claude Goodman Johnson, Direktor von Rolls-Royce, als Beifahrer sowie P. Northey hinten sitzend. Das vor dem Eingang zum Alpine Club, London, aufgenommene Foto zeigt das Auto in seiner ursprünglichen Ausführung, bevor gewichtsmindernde Bohrungen am Rahmen und der Wechsel zu Drahtspeichenrädern erfolgten.

Damit ist Veranlassung gegeben, weiter zurück zu blicken auf die ersten Rolls-Royce Automobile überhaupt, die nach Amerika exportiert worden sind. Charles Stewart Rolls (Mit-Namensgeber der Marke) hatte arrangiert, dass die ersten drei Fahrzeuge von Rolls-Royce den Weg auf die andere Seite des Atlantiks nahmen. Im Jahr 1906 reiste er in die USA und nahm zwei Rolls-Royce 30 H.P. 6-Zylinder Automobile mit sowie einen mit 4-Zylinder-Motor versehenen Rolls-Royce 20 H.P. 'Light Twenty'. Bei letztgenanntem, Chassis-Nr. #40523, handelte es sich um eine als Sportwagen ausgelegte Variante. Die wurde mit großem Erfolg bei diversen Rennen eingesetzt – und das war ein Schlüsselfaktor, um für die neue Automarke in den USA Publicity zu erzielen.

Rolls-Royce 20 H.P
Rolls-Royce 20 H.P., Baujahr 1906, # 40523, Special side Entrance Light Tourer von Barker. Pilotiert von P. Northey hier bei einem eher entspannten Auftritt während der Testfahrten für die RAC Tourist Trophy 1906 auf der Isle of Man.

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Mit einem Aufbau von Barker versehen hatte sich der Light Tourer bereits als 'Works Demonstrator' bewährt. Viel Beachtung fand eine Fahrt von Monte Carlo nach London, die C.S. Rolls vom 10. bis 12. Mai absolviert hatte. Der schlossen sich auf der Isle of Man Trainingsfahrten für die “RAC Tourist Trophy 1906”,  bei der als Werksfahrer Percy Northey am Steuer von #40523 saß – wobei aus Gründen der Gewichtsminderung die Windschutzscheibe abmontiert worden war. Ergebnis der Testfahrten waren Tuning-Maßnahmen wie Wechsel zu einer Motorhaube mit Entlüftungsschlitzen und zu Drahtspeichenrädern statt Holzrädern, ein leichterer Auspuff sowie ein direkt zugänglicher Tankstutzen. Die Rahmenträger und einige Technik-Komponenten wurden mit Bohrungen versehen zum Zweck weiterer Gewichtseinsparung. Die Motoren erfuhren eine Verfeinerung mit gewuchteten Kurbelwellen, neu konzipierten Kolben, leichteren Schwungscheiben, Pumpen aus Aluminium und Nockenwellen, die für optimierte Steuerzeiten der Ventile sorgten. Aller Umsicht zum Trotz passierte Northey im Rennen ein Missgeschick und sein beschädigter Rolls-Royce Light Twenty fiel aus der Wertung. Indessen errang C.S. an Bord eines zweiten Rolls-Royce 20 H.P. den Sieg bei der Tourist Trophy 1906, so dass die Teilnahme für das Werk als Erfolg verzeichnet werden konnte. 

Rolls-Royce 20 H.P.
Rolls-Royce 20 H.P., Baujahr 1906, # 40523, gefahren von P. Northey. Modifiziert durch Maßnahmen zur Gewichtseinsparung und Motor-Tuning kam das Auto bei der RAC Tourist Trophy 1906 zum Einsatz. Es fiel aus der Wertung wegen Unfalls und zeigt sich hier mit "kalt verformtem" linkem Kotflügel als es sich mit Northey und seinem Beifahrer Macready noch mit eigenem Antrieb ins Ziel schleppte.

#40523 war nur geringfügig beschädigt worden und die Reparatur nahm nur wenige Tage in Anspruch. Das Auto ging mit C.S. Rolls in die USA mit Eintreffen am 17. Oktober 1906. Auf amerikanischem Boden spielte C.S. Rolls als Trumpf aus, dass der fabelhaft leistungsfähige Rolls-Royce 20 H.P. sich sogar im Vergleich mit viel stärker motorisierten Wettbewerbern überlegen zeigte. Im November 1906 gewann er das Silver Trophy Race auf dem Empire City Track, Yonkers, New York. Für den Sieg im 5-Meilen Rennen wurde ihm ein silberne Medaille überreicht – aber wichtiger war,  dass er sich gegen Konkurrenz mit doppelt oder sogar dreimal so vielen Pferdestärken unter der Haube durchgesetzt hatte (z.B. Peerless 45 H.P., Renault 60 H.P. etc.).

Rolls-Royce 20 H.P.
Rolls-Royce 20 H.P., Baujahr 1906, # 40523, mit C.S. Rolls als Fahrer und R. Macready als ‘riding mechanic’. Die von C.S. Rolls signierte Karte belegt, dass Rolls als cleverer Geschäftsmann umgehend Publicity als Marketing-Instrument nutzte.

C.S. Rolls arrangierte, dass der Rolls-Royce 20 H.P. eventuellen Kaufinteressenten am richtigen Ort präsentiert wurde. Florida mit seinem milden Klima wurde von vielen wohlhabenden Amerikanern als Winter-Domizil geschätzt. Im Janur 1907 war der Strand von Ormond, Florida, der Ort, wo der Werksfahrer R. Macready bei Wettbewerben brillierte. Prompt wurde dort ein Kaufvertrag abgeschlossen; die Firmenunterlagen weisen aus, dass der 20 H.P. an Captain Hutton aus Texas verkauft wurde.

Rolls-Royce 20 H.P.
Rolls-Royce 20 H.P., Baujahr 1906, # 40523, mit R. Macready und Capt. Hutton. Ein beliebtes Ziel, dem Winter zu entfliehen, war für reiche Amerikaner, sich in Ormond Beach, Florida, einzufinden und Zerstreuung zu suchen bei den Rennen am Strand. Das war exakt die richtige Zielgruppe, um die Qualitäten des 4-zyliindrigen Sportwagens zu zeigen.

Im Licht späterer Recherchen mag Captain Hutton wohl eher als Agent denn als Käufer zu listen sein? Engagiert, die Marke mittels Sporteinsätzen auf dem neuen Markt zu etablieren. Im Oktober 1907 war für #40523 als neuer Eigentümer ein gewisser A. Sewell, New York, eingetragen.


 

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