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Mulliner Park Ward

Bei der Zusammenfassung beider Betriebe hatte Rolls-Royce noch die Lindwurmbezeichnung H.J. Mulliner, Park Ward gewählt. Zuerst schliffen sich die Initialen H.J. ab, dann entfiel das Komma zwischen den Namen und letztendlich erhielten die Gummimatten zum Schutz der Teppiche nur noch den Eindruck "MPW".

Nach dem Umzug aus Chiswick (Mulliner) bzw. Willesden (Park Ward) in ein Werk in Londons Hythe Road baute eine Belegschaft, die etwa 700 Mitarbeiter umfaßte, Sonderkarosserien. Damit versehen wurden die letzten Modelle, die Rolls-Royce als Fahrgestell mit Motor produzierte. Bis 1968 war das der Rolls-Royce Phantom V, den dann der Rolls-Royce Phantom VI ablöste, dessen Produktion 1991 auslief. Außerdem entstanden Cabriolets auf Basis Rolls-Royce Silver Cloud II und Silver Cloud III sowie für die Schwestermodelle Bentley S2 bzw. S3. Ebenso wurden Anpassungsarbeiten für die Aufbauten der Versionen mit langem Radstand vorgenommen.

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Rolls-Royce Silver Cloud III

Karosseriebau im engeren Sinn, d.h. die komplette Schaffung eines Aufbaues mit eigener Linienführung, war dadurch nicht ausgeschlossen. Deren Stückzahl etwa für Bentley S2 Continental und Bentley S3 Continental war aber nur noch gering. Einerseits war die Arbeit inzwischen so teuer geworden, daß der Preis auch für wohlhabende Kunden eine Barriere bildete. Andererseits verfügte die Standardkarosserie ab Werk über eine so brillante Qualität, um auch auch anspruchsvolle Kunden vollauf zufriedenzustellen. Für den Rolls-Royce Silver Cloud III bestand sogar die Wahl, die vorher allein den schnellen Bentley S Continental vorbehaltenen Aufbauten mit sportlicher Linienführung ordern zu können. Dies war das letzte Modell vor der Einführung des Rolls-Royce Silver Shadow, der wegen seiner selbsttragenden Karosserie Veränderungen nur mit Mühe erlaubte. Deshalb wurde eine vollständige Chassis-Serie aus der Produktion des Vorgängermodells noch in der Zeit nach der Vorstellung des Neulings über mehrere Monate bei Mulliner Park Ward mit Sonderaufbauten versehen. Damit sollten solche Kunden zufriedengestellt werden, die Altbewährtem den Vorzug gaben.

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Rolls-Royce Silver Cloud III

Erst mehr als ein Jahr nach der Vorstellung des Rolls-Royce Silver Shadow trat Mulliner Park Ward mit einem Coupé zu diesem Typ an die Öffentlichkeit. Für die Linienführung verantwortlich zeichnete Bill Allen, der in der Styling-Abteilung von Rolls-Royce in enger Zusammenarbeit mit dem Chefdesigner John Polwhele Blatchley wirkte. Bevor das entsprechende Cabriolet vorgestellt werden konnte, ging ein weiteres Jahr ins Land. Zunächst als die zweitürige Ausführung zum Basismodell bezeichnet, erfuhren die Typen eine Aufwertung, als sie ab 1971 mit dem Modellnamen "Corniche" abgegrenzt wurden.

So wie dieser Name auf ein Merkmal der Cote d`Azur Bezug nimmt, nämlich auf die reizvoll gewundenen Küstenstraßen der französischen Riviera, war dem Süden Frankreichs auch der Name "Camargue" entlehnt. Ihn trug ein zweitüriges Coupe nach Entwurf von Pininfarina, dessen Technik ebenso wie die Grundabmessungen mit dem Basismodell Rolls-Royce Silver Shadow übereinstimmten. Die Fertigung des Rolls-Royce Camargue (es ist nur ein einziger Bentley Camargue im Werk gebaut worden) wurde nach der Vollendung der ersten 178 Exemplare nach Crewe ins Stammwerk verlegt.

Es hatte sich nämlich eine Arbeitsteilung ergeben, die jeder rationalen Überlegung Hohn sprach: Die Rohkarossen wurden in London aufgebaut und dann auf LKW verladen, um über eine erhebliche Distanz ins Stammwerk befördert zu werden. Sobald sie dort mit den Antriebskomponenten ausgerüstet worden waren, ging es zurück nach London, wo die Abschlußarbeiten zwecks Fertigstellung ausgeführt wurden.

Die Rolls-Royce Corniche und die zunächst gleichnamigen Bentley, die ab 1982 mit der Namensgebung Continental abgegrenzt worden waren, wurden weiterhin in gleicher Weise im Stückwerkverfahren komplettiert. Der enorm hohe Preis für die zweitürigen Cabriolets war daher nicht allein bedingt durch den wesentlichen Anteil an teurer Handarbeit, sondern ganz erheblich auch durch eine Fertigungsmethode, die wirtschaftliche Grundsätze außer Acht gelassen hat. Traditionelle Handarbeit dominierte noch beim Aufbau der zweitürigen Cabriolets Rolls-Royce Corniche und Bentley Continental. Mit dem Bau dieser Modelle und des Rolls-Royce Phantom VI war in der Fabrik in London ein Mitarbeiterstamm beschäftigt, der mit der Schließung zum Ende 1991 um mehr als 500 reduziert wurde auf einen Rest von 90 Karosseriebauern. Deren Aufgabe war nicht mehr der Aufbau kompletter Fahrzeuge, sondern sie wurden im Werk Acton nördlich von London eingesetzt, um nur noch die Blechhüllen zu formen, die dann ins Stammwerk nach Crewe gingen zur Endfertigung. Auch dieser Einsatz war zeitlich begrenzt, denn mit Auslieferung des letzten Rolls-Royce Corniche IV in 1996 wurde die Modellreihe eingestellt.

Schon die Aufgabe der Fabrik in London hatte einen drastischen Einschnitt bedeutet. Denn mit der Arbeitseinstellung im letzten Unternehmensteil, wo in großem Rahmen traditionelle Karosseriebaukunst Mitarbeiter in Lohn und Brot hielt, ging auch der ernste Verlust von Kenntnissen und Fähigkeiten in einem Handwerkszweig einher, der über viele Dekaden für das Erscheinungsbild des motorisierten Verkehrs prägend gewesen ist. Zunächst sah es so aus, als bliebe der Name Mulliner Park Ward vornehmlich aus Marketinggründen erhalten. Aber mittlerweile ist die Karosseriebauabteilung mit neuen Leben erfüllt - den geändertem Ansprüchen des Marktes entsprechend angepaßt. Hier werden die Sonderwünsche der anspruchsvollen Kunden umgesetzt und Rolls-Royce bietet ganz bewußt die Möglichkeit für so individuelle Anpassungen, daß sich jemand sein Auto als Einzelstück bauen lassen kann. Es deutet sich ab und zu sogar wieder eine Trennung der Traditionsnamen an: Mulliner wird den Sondermodellen von Bentley zugeordnet und Rolls-Royce in Sonderausstattung werden bewußt mit dem Namen Park Ward in Verbindung gebracht.

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