Startseite

Bücher
Ausführliche
Informationen

Modelle
Alle Modelle
seit 1904

Highlights
Coachbuilder,
Special Cars...

Album 1998
Album 1999
Album 2000
Album 2001
Album 2002
Album 2003
Album 2004
Album 2005
Album 2006
Album 2007
Album 2008
Album 2009
Album 2010
Album 2011
Album 2012
Album 2013
Album 2014
Album 2015
Album 2016
Album 2017
Album 2018
Die "Autos des Monats"

Mehr zu Rolls-Royce:

 Rossfeldt: Rolls-Royce and Bentley / From the Dawn of the 20th Century into the new Millennium  

 

 

 

 

Auto des Monats - September 2022
Der Bugatti von F. Henry Royce


Bugatti

Im Jahr 1916 sandte Frederick Henry Royce einen Mitarbeiter mit Namen A.G. Elliott nach London mit dem Auftrag, ihm einen Bugatti zu besorgen. A.G. Elliott erwarb solch ein Automobil und das wurde von F. Henry Royce bis in das Jahr 1918 genutzt. Damit reagierte F. Henry Royce auf eine behördliche Anordnung, die wegen Rationierung zu Kriegszeiten seine Kraftstoff-Zuteilung auf lediglich ca. 4 Liter pro Woche limitiert hatte. Mit so wenig Kraftstoff den von F. Henry Royce eigentlich als ‚Experimental Car’ wie als Privatwagen genutzten Rolls-Royce Silver Ghost zu fahren,  war unmöglich. Folglich kam es zum Kauf des Bugatti und dessen Einsatz mit F. Henry Royce am Steuer über nahezu 2 Jahre.

Ein Blick in die Frühzeit der Marke Bugatti zeigt, dass Ettore Bugatti die Produktion seiner Automobile mit einem ‚Kleinwagen’ begonnen hatte. In der Fertigungsstätte von Bugatti in Molsheim/Elsaß war 1910 die Produktion des Bugatti Typ 13 angelaufen.  Dabei handelte es sich um einen Kleinwagen, vorgesehen für 2-Sitzer-Aufbauten.
Die technischen Daten:
Wassergekühlter 4-Zylinder-Reihenmotor, 1.327 ccm (oder 1.368 ccm ab Dezember 1913), obenliegende Nockenwelle, 2 Ventile pro Zylinder; 4-Gang-Getriebe mit Rückwärtsgang; Kettenantrieb; Spurweite vorn und hinten 1.150 mm, Radstand 2.000 mm (oder 2.400 mm beim Typ 15 bzw. 2.550 mm beim Typ 17– beide technisch identisch mit Typ 15, aber für 3-sitzige oder 4 sitzige Aufbauten vorgesehen).

Bugatti Motor

Solch eine "Voiturette" verband die Vorteile geringen Gewichts mit denen eines leistungsfähigen Motors, was ansprechende Fahrleistungen bei sehr geringem Benzinverbrauch gewährleistete. Henry Royce hatte die Entwicklung bei Bugatti aufmerksam studiert. In England wurde der Bugatti Typ 13 ab 1912 vom Vertragshändler als "10-12 h.p. Bugatti" angeboten; ausgerechnet mit dem Slogan "Der Rolls-Royce unter den Kleinwagen". Mehr als ein Jahrhundert später lassen sich nur fragmentarisch Informationen zusammen puzzeln. Da bleibt ein breiter Raum für Spekulationen. Aber als begründete Annahme ist davon auszugehen, dass A.G. Elliott für seinen Boss F. Henry Royce einen Bugatti Typ 15, Baujahr 1913, erworben hat. Das wäre hinsichtlich technischer Auslegung eine auf dem Typ 13 basierende Variante gewesen, die sich mit 2.400 mm Radstand (long wheelbase) für den Aufbau einer Karosserie mit 2 Sitzen plus "Schwiegermuttersitz" (2-seater plus dickey) anbot. Falls es sich um einen ab Dezember 1913 (late 1913) produzierten Bugatti gehandelt hat, profitierte der vom auf 1.368 ccm vergrößerten Hubraum (statt zuvor 1.327 ccm).

Seitenanfang  

 

F. Henry Royce behielt seinen Bugatti von 1916 bis in die letzten Kriegsmonate 1918. Der Chefingenieur von Rolls-Royce widmete den von Bugatti umgesetzten Konstruktions-Merkmalen akribische Aufmerksamkeit. Royce sah seinen Bugatti keineswegs ausschließlich als ‚Personal Transport’, sondern wie ein Objekt aus der Testabteilung. Nur ein Beispiel aus den Werksunterlagen ist ein Memo von Royce mit einer eigenhändigen Skizze zum Tausch des Vergasers (Claudel statt Zenith). Die spätere Entscheidung für Claudel-Hobson Vergaser für Flugzeugmotoren von Rolls-Royce steht eindeutig mit Royces Prüfungen der Vergaseranlage bei seinem Bugatti in Verbindung stand. 

Bugatti Vergaser

Gegen Ende des Krieges erhöhten die Bürokraten die 'petrol allowance' für F. Henry Royce. Prompt nahm der wieder seinen Rolls-Royce Silver Ghost in Betrieb. Mit erzwungener Benzin-Rationierung hatten die Behörden dieses 'Experimental Car' über etwa zwei Jahre aus dem Verkehr gezogen  - und damit eine absurde Fehlentscheidung getroffen. Denn das war der Testwagen, bei dessen Motor erstmals Aluminium-Kolben eingesetzt waren. Die sollten daraufhin geprüft werden, ob im Dauerbetrieb die viel versprechenden Vorteile von leichterem Gewicht, besserer Wärmeableitung und folglich höherer Motorleistung gesichert blieben  - um die gewonnenen Erkenntnisse dann auf die kriegswichtigen Flugzeugmotoren übertragen zu können.

Rolly-Royce Silver Ghost 

Der von F. Henry Royce zwischen 1916 und 1918 verwendete Bugatti wurde verkauft an den Earl of Rocksavage in London (der später den Titel Marquess of Cholmondeley erbte). Der war von dem Auto offensichtlich sehr angetan, denn gleich nach Kriegsende erwarb er aus der wieder aufgenommenen Produktion bei Bugatti einen Typ 22 (der eine modifizierte Ausführung des Ur-Modells Typ 13 -sowie 15 und 17- war) erwarb. Etwa zur gleichen Zeit überstellte F. Henry Royce seinen Rolls-Royce Silver Ghost, #49GB, an das Experimental Department des Werks in Derby und übernahm im Gegenzug einen neuen Rolls-Royce Silver Ghost als Experimental Car sowie "Personal Transport". Die Bugatti-Phase im Leben von F. Henry Royce war abgeschlossen.


 

(©) Copyright 1997-2022 K.-J. Roßfeldt / Information on this site is for viewing and personal information only. Information and photos are protected by copyright. Any unauthorized use or reproduction of material from this site without written permission is strictly prohibited. Infringement of copyright will rise to both civil law remedies and criminal penalties.
Comments and support to: archives webmaster          Url: http://www.rrab.com